Unser erster Streifzug durch Bergen

Holzhaus Bryggen

Es ist Nachmittag um kurz vor 15:00 Uhr. Nach 13 Stunden anstrengender Anreise sind wir endlich am Ziel. Andere würden sich jetzt erstmal ausruhen und relaxen. Wir werfen unsere Taschen ins frisch bezogene Apartment, schauen uns kurz um, und weiter geht es. Jetzt wird Bergen erkundet!

Unser Apartment ist mitten in der Innenstadt. Wir fallen praktisch aus der Tür heraus, und können sofort die Stadt erkunden. Die Zierbeete in der Mitte des kleinen Platzes an dem unser Apartment liegt sind noch leer, lediglich das Grün des Rasens und der niedrigen Zierhecken kämpft sich langsam hervor. Wir starten unsere Tour in Richtung den Nationale Scene, dem ältesten Theaters Norwegens, was direkt vor Kopf des Platzes auf einem kleinen Hügel liegt. Wir gehen einmal um das Theater und den Skulpturen im Park herum, nehmen uns aber nicht die Zeit es uns genauer anzusehen, denn wir wissen, dass wir hier noch öfters vorbei kommen. Meine Freundin möchte zu allererst die Håkonshalle sehen. Da es Freitags ist, und die Håkonshalle um 15:00 Uhr ihre Tore schließt und erst an unserem Abreisetag am Montag wieder öffnet, beeilen wir uns etwas, damit wir vielleicht noch Einlass bekommen.

Wir orientieren uns kurz und schlängeln uns etwas umständlich auf kleinen Umwegen durch die Straßen zum Hafen. Auf dem Weg sehen wir die ersten Supermärkte und merken sie uns für später. Wir kommen am Fischmarkt heraus und  gehen an der Glasfassade vorüber und sehen im Inneren geschäftigtes Treiben. Im Restaurant werden die Gäste bedient, und durch die Markthalle schlendern Touristen und Kunden und sehen sich die reichhaltige Auslagen mit allerhand Meeresfrüchten an. Direkt am Fenster ist ein großes Becken in dem etwa ein Meter lange, dicke, und ziemlich hässliche Fische schwimmen. Auch den Fischmarkt schauen wir uns vorerst nur im Vorbeigehen an und laufen am Hafenbecken entlang. Selbst Bryggen lassen wir zuerst links liegen (ok, eigentlich ist sie rechts von uns…) um noch rechtzeitig an der Håkonshalle zu sein.

Die Festung Bergenhus

Die Festung Bergenhus, zu der die Håkonshalle gehört liegt ganz an der Spitze des Hafens. Hinter ihr sind nur noch ein paar Schiffsanleger an denen mächtige Hochseeschlepper festgetäut sind.

Wir schreiten die Schräge zum etwas versteckt liegenden, schmalen Eingang der Festung hoch und treten durch das steinerne Torhaus auf den äußeren Innenhof der Festung.

Die Festung Bergenhus ist eine der ältesten und besterhaltensten Festungen in Norwegen. Die ältesten Teile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Direkt links vom Eingang liegt der Rosenkrantzturm. Eine Art großer, aus grauem Bruchstein gemauerter Bergfried. Er ist mit seiner kupferbeschlagenen Spitze das höchste Gebäude der Festung. An ihn schließt sich die innere Festungsmauer an. Durch ein weiteres Tor gelangt man in den inneren Innenhof der Festung, der von neueren Gebäuden flankiert wird und vor Kopf auf die imposante Håkonshalle führt. Leider ist es inzwischen Punkt 15:00 Uhr und wir erhalten keinen Einlass mehr. Wir müssen uns also damit begnügen die von König Håkon 1247 bis 1261 errichtete königliche Residenz und Festhalle von außen zu begutachten.

Jetzt habe ich auch endlich Zeit meine Kamera heraus zu holen und die ersten Fotos von Bergen zu schießen. Wir laufen eine kleine Treppe am Ende des Platzes herunter. Zum Fuße der Håkonshalle heben sich noch die Grundmauern einiger Nebengebäude aus dem moosigen Rasen hervor. Aus dieser Perspektive entfaltet das alte Gemäuer auch seine ganze Pracht und Anmut. Die geschätzt fast 40 Meter lange und 20 Meter hohe Halle muss im Mittelalter mit Sicherheit beeindruckende Ausmaße gehabt haben.

Der hintere Teil der Festung ist grün, und gleicht eher einem, wenn auch etwas kargen Park, als einer Festung. Lediglich die alten Kanonen auf den Wällen erinnern daran, dass man sich hier immer noch in der Festung befindet. Vom Denkmal König Haakon VII hat man einen tollen Blick über den Hafen und die dort liegenden Hochseeschlepper.

Zurück auf dem Innenhof marschiert ein Trupp jugendlicher Trommler in Uniform an uns vorbei und trifft sich auf dem Innenhof mit weiteren uniformierten Jugendlichen mit Holz-Armbrüsten. Die sogenannten Bluekorps (Bogenschützenbrigaden) sind die traditionellen Jugendorganisationen der einzelnen Stadtteile Bergen.

Stølen

Wir verlassen die Festung und gehen zurück. Direkt zwischen Festung und Bryggen liegt das Segelschiff Statsraat Lehmkuhl vor Anker. Die dreimastige stählerne Bark ist bis auf die blaue Unterwasserlinie weiß gestrichen und sieht aus wie der Prototyp eines majestätischen Segelschiffs. Direkt vor ihr an Land liegt ein großer Schiffsanker, zu einem Denkmal in den Gehweg eingelassen. Der Anker im Vordergrund und die Statsraat Lehmkuhl im Hintergrund bieten das perfekte Fotomotiv für mich und ich nehme mir etwas Zeit das perfekte Bild zu schießen. Außerdem muss ich die Statsraat Lehmkuhl unbedingt vom Nebendock fotografieren. So dass ich genau vor ihr stehe und man nur den Bug und die Masten mit Ihrer Takelage sieht. Ich liebe solche Fotos von Segelschiffen und habe schon die Passat und die Rickmer Rickmers aus dieser Perspektive fotografiert.

Etwas weiter Landeinwärts erhebt sich die Marienkirche. Sie gilt gemeinhin als das älteste noch erhaltene Gebäude Bergens. Die 1130 erbaute romanische Basilika ist die Hauptkirche von Bryggen und wurde so lange Zeit nur von den deutschen Kaufläuten der Hanse genutzt. Daher wurde sie früher auch als Deutsche Kirch bezeichnet.

Direkt neben ihr geht eine kleine Straße mit wunderschönen alten Holzhäusern ab, die uns neugierig macht. So laufen wir etwas weiter bergauf und erkunden das Viertel Stølen was direkt am Hang zu einem der großen Berge die Bergen umschließen liegt. Eine schmale Gasse zwischen zwei Häuserzeilen führt uns vorbei an alten Holzhäusern in allen möglichen gedeckten Farben nach oben. Nach einigen Metern wird die Straße so steil, dass immer mehr Treppenstufen das alte kunstvolle Pflaster unterbrechen und die Straße schließlich zu einer einzigen Treppe wird.

Kleine Gasse in Stølen
Steile Gasse in Stølen

Oben angekommen, mündet die steile Gasse in einer nicht mehr ganz so steil verlaufenden kleinen Straße. Immer wieder geben kleine Häuserlücken Ausblicke auf die darunter liegende Stadt und den Hafen frei. Kleine Geschäfte von künstlerisch gestaltet bis skurril säumen immer wieder den Weg. Wir gehen nicht weiter bergauf, sondern folgen der Straße langsam zurück ins Tal und kommen auf der Rückseite von Bryggen heraus. Hinter den alten Kontorhäusern befindet sich ein kleiner Park der unweit der Marienkirche an das Bryggenmuseum grenzt.

Bryggen

Wir betreten Bryggen von hinten. Die alten Handelskontore der Hanse stehen dicht an dicht gedrängt, getrennt nur durch winzige Gassen deren Boden sogar mit Holz ausgeschlagen ist. Da es angefangen hat zu regnen, ist es etwas rutschig. Über uns verlaufen immer wieder Übergänge und Treppen von einem Haus zum anderen. Über Treppenaufgänge erreicht man manchmal kleine Läden, die in den oberen Stockwerken gelegen sind. Dort werden traditionelle Handwerksarbeiten und Souvenirs verkauft. Die Gassen führen zu einem kleinen gepflasterten Innenhof. Eine aus einem riesigen Baumstamm geschnitzte Seeschlange wacht über den Hof. Kinder spielen hier und reiten auf der Skulptur.

An einer Hauswand hängt ein großer, ausgestopfter Elchskopf. Wir gehen in das dazugehörige Geschäft, was kunstvoll gearbeitete Lederwaren verkauft. Eine weitere mit Holz ausgelegte Gasse führt uns vorbei an einem kleinen Cafe zur Vorderseite der Brygge zur zum Hafen zeigenden Front der kleinen bunten Holzhäuschen.

Wir schlendern langsam zurück zu unserem Apartment. Vorbei geht es an wundervollen historischen Gebäuden wie der alten Markthalle, der alten Börse und dem Seemannsdenkmal zurück in die Innenstadt und zu unserem Apartment. Im vorhin entdeckten Supermarkt kaufen wir einige Dinge um die nächsten Tage nicht zu verhungern. Darunter auch einige Spezialitäten, die hier ganz normal, in Deutschland aber völlig unbekannt sind, wie Ziegenkäse mit leichter Karamell-Note. Die Preise im Supermarkt sind für unsere Verhältnisse utopisch. Alles kostet mindestens das Doppelte, wenn nicht das Dreifache. Nur Spagetti und Ketchup sind vergleichbar mit unseren Preisen. Wir wissen nun also wovon wir uns hier zur Not ernähren werden…

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Kommentare

  1. Susanne Adel schreibt:

    Dein Bericht macht neugierig auf das Land. Ich freue mich schon riesig auf Deinen nächsten Bericht.

    1. Christoph Adel schreibt:

      Vielen Dank!

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